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Mein Feminismus vs. Meine Eifersucht

Ich bin eifersüchtig und ich bin es nicht gern. Warum ich es trotzdem bin und was mich daran stört.


Eifersucht ziemt sich nicht. Erstrecht nicht, wenn man in der Haut einer Frau steckt, die feministische Positionen gut findet und zu leben versucht. Eifersucht steht im Widerspruch zum Bild einer Frau, die stolz für sich, ihre Interessen und Eigenheiten einsteht. Konkurrenzdenken passt nicht zu dieser Frau, erstrecht nicht, wenn sie innerhalb dieses Vergleichs vor sich das Nachsehen hat.
Um Eifersucht zu entkommen, heißt es in Ratgebern, brauche es Selbstbewusstsein, ein gutes Selbstwertgefühl und Vertrauen in die eigene Person und all ihre Entscheidungen. Der Umkehrschluss ist schnell notiert: Tendierst du zur Eifersucht, hapert es wohl ein bisschen an der Selbstliebe, Schätzchen – vielleicht mal mit Mediation probieren?

Als ich 16 war, war ich mit einer Freundin zum Billardspielen verabredet. Zwei Jungs haben uns angesprochen. Der, den ich ganz gut fand, hat nach kurzem Gespräch zu seinem Kumpel gesagt, dass er doch lieber die mit den Brüsten hätte. Mein Körper ist in der Schule öffentlich – sogar vertont! – abgewertet worden. Ich habe Männer, mit denen ich fest und offiziell zusammen gewesen bin, Frauen in meinem Beisein küssen und betatschen sehen. Frauen haben mir Screenshots von Chats zugesandt, auf denen ich nachlesen konnte, wie sich mein damaliger Partner negativ über meinen Körper äußert. „Rein äußerlich finde ich die meisten Frauen attraktiver als dich.“ ist ein Satz, der mir aus einer betrunkenen Nacht vor gut 10 Jahren im Gedächtnis geblieben ist, einfach so ausgesprochen. „Ich bin mit nem Kumpel weg“ und taucht beim Cocktailtreffen in irgendeiner Insta-Story auf. Das Rad, das morgens nicht wie gewohnt vor dem Haus steht. Alles dabei.

Alles lang her und längst vorbei, aber wie tätowiert. Meine Sozialisation war diesbezüglich denkbar unromantisch, denn keine dieser Situationen mündete in einer filmreifen Auflösung, in der ich alles bloß falsch verstanden hatte. Oder irgendetwas, das erklären würde, weshalb ich mich plötzlich in einer Situation wiederfinde, auf die ich wie von außen draufschaue. Der plötzliche Schweiß, das klopfende Herz, der Magen, der vom Zwerchfell aus zusammengezogen wird: Alles dumpf, aber deutlich spürbar, wie ein starker Reiz, der erst ein bisschen Strecke zurücklegen muss, ehe er wirkt. In was dieser Reiz mündete? In Rat- und Machtlosigkeit. Ich war Anfang 20 und kein Dr. Sommer-Beitrag hatte mich darauf vorbereitet.

In einer disneysozialisierten Gesellschaft passiert Betrug einfach nicht und entsprechend wertend fielen auch die Reaktionen innerhalb meiner Freundschaften aus. Viele haben meinen Entschluss, trotzdem zu bleiben, nicht überstanden. Zu klein die Möglichkeit, Verständnis dafür aufzubringen, dass ich mir das bieten ließ.

Ich habe versucht, diese Situationen zu verstehen, um die Kränkung abzumildern. Ich habe mich mit unterschiedlichen Modellen auseinandergesetzt und bin selbst untreu gewesen – Perspektivwechsel: wichtig. Anekdoten aus dem Freundeskreis zu Betrug und Seitensprüngen überraschen mich nur noch in Ausnahmefällen. Mein Verstand hat die Wirkung von Hormonen, von Alkohol und vom Reiz des Unbekannten und Neuen, die Statistiken und alles, wahrscheinlich wirklich alles, was noch dazu gehört aufgenommen und abgeheftet.

Diese Coolness hat sich mit meinem getroffenen Herz, mit meinem wiederholt gekränkten Ego, mit diesen alten Verletzungen leider nicht synchronisiert. Ich möchte alle Internet-Tipps zum Thema „Eifersucht überwinden“ zerreißen und entsorgen. In keinem dieser Artikel war jemals zu lesen, wie ich die Erfahrungen aus den Jahren, in denen ich zu jung war, um für mich einzustehen, vergessen oder umdeuten kann. Keine Meditation löscht diese Szene aus irgendeinem Dezember aus meinem Kopf, keine Atemübung schreibt die Situationen neu, in denen mein Stolz unter den mitleidigen Blicken der Belegschaft schrumpelt, wie ein einzelnes Haar, das sich über einer Kerze kläglich und stinkend in sich zusammenrollt.

Ich habe ein Problem mit meiner Eifersucht, und zwar ganz direkt und persönlich: Ich mag sie nicht. Sie fühlt sich nicht gut an, sie taucht in unpassenden Momenten auf, macht mich unleidlich und unfair, misstrauisch und ungeduldig. Nichts davon bin oder fühle ich gern. Aber sie kommt wie in diesem Meme und stülpt sich über mich, bis ich nichts mehr sehe. Alle Tricks („Was nützt sie dir?“ / „Versuch, verständnisvoll mit dir zu sein.“ / „Führe einen Realitätscheck durch.“) fruchten nicht wirklich und es bleibt nur abzuwarten, bis sie abgeklungen ist.

Ich weiß, worin sie begründet ist, und kenne ihren Auftrag („Ich werde verhindern, dass uns das nochmal passiert!“), den ich bisher nicht dauerhaft an gesündere Anteile und Gefühle delegieren konnte. Das finde ich schade, weil ich sie wirklich gerne abschütteln würde, um mich diesem schwelenden Gedanken, am Ende doch nicht (gut) genug zu sein, entledigen zu können.

Hinzu gesellt sich mein Selbstbild – Feminismus, stark sein, Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit, das alles. Es ist manchmal schwierig, all diese Werte parallel und nicht im Widerspruch zur Eifersucht zu betrachten. Umso wichtiger, das zu üben, um dieses Gefühl, das in dieser Stärke durch meine Erfahrungen begründet ist, nicht als noch unangenehmer zu empfinden, als es ohnehin schon ist. Es ist Teil meines Weges und meiner Entscheidungen und als solches logisch und völlig in Ordnung. Und vielleicht ist diese Nachsicht mit mir und meiner Biografie und die Arbeit, die in dieser Akzeptanz steckt, feministischer als das Beharren auf dem Wunsch, die Eifersucht zu tilgen und verstummen zu lassen. Sie will mir schließlich gar nichts Schlechtes.

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